Die Elektromobilität nimmt nun wirklich Fahrt auf – und entsprechend wächst auch der Bedarf an den ­zugehörigen Ladelösungen, die ein neues Gesetz für bestimmte Gebäudetypen nun sogar verpflichtend macht. Unabhängig davon sollte man bei jeder Planung schon heute den künftigen Bedarf im Auge haben und für die notwendige Ladeinfrastruktur sorgen.

Bei der Installation einer Ladesäule ist es sinnvoll, weitere Parkplätze so vorzubereiten, dass eine einfache Nachrüstung möglich ist

Bis Ende 2020 sollten laut Bundesregierung 1 Mio. E-Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Zum Stichtag waren es laut Verband der deutschen Automobilindustrie VDA gut die Hälfte, davon »52 % batterieelektrisch«, der Rest solche mit »Range Extendern« (kleine Verbrennungsmotoren, die bei Bedarf den Akku aufladen) und Hybridfahrzeuge (Vollhybride ohne externe Lademöglichkeit und Plug-in-Hybride mit Ladeanschluss). Die letztgenannten Techniken, die hauptsächlich dazu dienten, die beiden herausragenden Nach­teile von elektrisch betriebenen Fahrzeugen zu kompensieren, nämlich den hohen Preis und die geringe Reichweite, markieren die Anfänge der Elektromobilität, stellen aber für die fernere Zukunft keine Option dar.

Reine E-Autos werden sich auf Dauer durchsetzen, und damit wächst auch der Bedarf an Ladestationen. Gesetzliche Rahmenbedingungen und auch aktuelle Förderprogramme stützen diesen Trend.

Gesetzliche Situation

Der Entwurf des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG) setzt die EU-Gebäuderichtlinie EPBD 2018 um und betrifft alle Bauvorhaben, für die seit dem 11.3.2021 ein Bauantrag gestellt oder eine Bauanzeige erstattet wurde. Für Bauvorhaben, die nicht genehmigungs- oder anzeigepflichtig sind, gilt der gleiche Stichtag für den Baubeginn. Das Gesetz fordert in seiner aktuellen, leicht verschärften Fassung vom Februar 2021 im Wohnungsbau für Neubauten sowie bei erheblichen Renovierungen im Bestand ab einer Anzahl von sechs Stellplätzen alle Plätze mit einer Ladeinfrastruktur für Elektromobilität auszustatten, also im Wesentlichen mit den erforderlichen Leerrohren für Verkabelung. Im Nichtwohnbau ist ab einer Anzahl von sieben Stellplätzen jeder dritte entsprechend auszustatten sowie ein Ladepunkt zu installieren (Bild 2).

Bild 2: Bei neuen Nichtwohngebäuden mit mehr als sechs Parkplätzen muss jeder dritte mit einer Ladelösung ausgestattet werden

Ausnahmen gelten u. a. für Nichtwohngebäude, die sich im Eigentum von kleinen und mittelständischen Unternehmen befinden und überwiegend von ihnen selbst genutzt werden, oder für Bestandsgebäude, wenn die Kosten für die Lade- und Leitungsinfrastruktur 7 % der Gesamtkosten einer größeren Renovierung überschreiten.

Man sollte jedoch gut überlegen, ob nicht eine infrastrukturelle Vollausstattung der Stellplätze, auch wenn nicht gesetzlich vorgeschrieben, im Sinne der Nachhaltigkeit und des Werterhalts der Immobilie sinnvoll wäre (Bild 3). Bei gemischt genutzten Gebäuden entscheidet die hauptsächliche Nutzungsart. Außerdem muss jedes Nichtwohngebäude mit mindestens 21 Stellplätzen bis zum 1.1.2025 über einen Ladepunkt verfügen. Hierbei sollen »Bündelungen« möglich sein, sofern diese den Gebäudenutzern zuzumuten sind. Das Gesetz sieht einige Ausnahmen im Bestand sowie für KMU-Gebäude (Kleine und mittlere Unternehmen) vor; auch hier müssen Besitzer und Betreiber bei Umbaumaßnahmen also selbst entscheiden, inwieweit sie die Zukunftsfähigkeit ihrer Liegenschaft erhalten wollen.

Auch das seit dem 1.12.2020 geltende, ­aktualisierte Wohnungseigentumsgesetz (WEG) stellt die richtigen Weichen. So werden Beschlussfassungen vereinfacht und Eigentümer erhalten das Recht, auf eigene Kosten eine Ladestation für E-Autos zu installieren. Der Anspruch auf eine Wallbox steht im Prinzip auch Mietern zu, sie müssen diesen jedoch über den Wohnungseigentümer durchsetzen. Die Errichtung von privaten Wallboxen wird seit November 2020 durch die staatliche KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit aktuell 900 € gefördert, sofern ­einige Bedingungen erfüllt sind. Unter anderem muss der Ladepunkt eine Leistung von 11 kW aufweisen, über eine digitale Steuerung verfügen und mit Ökostrom betrieben werden. Anträge können über das KfW-Zuschussportal gestellt werden. Außerdem lohnt es sich, ganz konkret bei Ländern und Kommunen nachzufragen, denn hier existieren weitere Fördertöpfe.

Bild 3: Auch wenn ein privater Kunde heute noch kein E-Auto fährt, sollte man ihm dazu raten, zumindest eine Energie- und Datenleitung in die Garage legen zu lassen

Um die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu verbessern, hat das Bundeskabinett im Februar 2021 das Schnellladegesetz beschlossen, welches die Grundlage für die europaweite Ausschreibung von 1000 Schnellladestandorten mit einer Leistung von ≥ 150 kW darstellt. Bislang liegt der Anteil der Ladepunkte, die über 100 kW bereitstellen können, noch unter 2 %, und das sogenannte HPC (High Power Charging) wird dringend auch in der Breite benötigt. Diesen Schluss legt auch eine Studie nahe, die im Auftrag des BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale In­frastruktur) erstellt wurde. Sie schaut recht optimistisch in die Zukunft der E-Mobilität und hält für das Jahr 2030 einen Bestand von 14,8 Mio. E-Fahrzeugen in Deutschland für realistisch. Das würde aber bedeuten, dass sich ca. 20 elektrisch betriebene Fahrzeuge einen »öffentlich zugänglichen Ladepunkt« teilen müssen. Auch dieses Szenario zeigt, wie wichtig der Aufbau einer geeigneten Infrastruktur gerade im privaten Sektor ist und drängt uns, bei wirklich jeder Baumaßnahme sorgfältig zu prüfen, welche infrastrukturellen Maßnahmen möglich sind.

Dabei geht es nicht immer sofort um die Errichtung kompletter Ladestationen, doch die Installation von ausreichend dimensionierten Leerrohren für Strom- und Datenkabel sollte für jeden am Bau Verantwortlichen ab sofort zum Repertoire gehören. Werden die Maßnahmen im Zuge eines Neubaus, ­eines Umbaus oder einer Renovierung gleich mit getroffen, halten sich deren, übrigens investiven, Kosten in geringem Rahmen; nachträgliche Installationen schlagen hingegen in aller Regel mit einem Vielfachen zu Buche. Wenn die Prognose der Studie zutreffen sollte, dürfte es in wenigen Jahren immer schwerer werden, Immobilien ohne Infrastruktur für die E-Mobilität am Markt zu platzieren.

Wallbox – neue Chancen für Umsatz und Kundenbindung

Elektrofachbetriebe, die über eine ausreichende Kompetenz auf dem Gebiet der E-Mobilität verfügen, können sich leicht neue Umsatzmöglichkeiten erschließen. Am Anfang steht wie immer die Beratung des Bauherren, der aktuell ein E-Auto fährt oder über dessen Anschaffung nachdenkt. Im Sinne der Zukunftssicherheit des Gebäudes ist praktisch immer die Ladeinfrastruktur anzuraten, sofern diese nicht ohnehin gesetzlich vorgeschrieben ist. Bei der Auswahl einer geeigneten Wallbox ist dann zunächst der Bedarf zu ermitteln, wobei auch hier mögliche Veränderungen, bis hin zum Verkauf des Gebäudes, zu bedenken sind; Leistungsreserven können also sicher nicht schaden (Tabelle 1).

Tabelle 1: Ladezeiten für ca. 40 kWh abhängig vom Anschluss

Der Anschluss der Wallbox erfolgt über eine separat abgesicherte Leitung. Bei einphasigem Anschluss sind maximal 20 A erlaubt, was einer Ladeleistung von 4,6 kW entspricht; dreiphasige Anschlüsse ermöglichen Leistungen von 11…22 kW. Die Leistung hat naturgemäß nicht nur einen hohen Einfluss auf die Ladezeiten, sie bestimmt auch die Fördermöglichkeiten. Ladevorrichtungen ab 3,7 kW sind beim Netzbetreiber anzumelden, Anlagen über 11 kW sind außerdem ­genehmigungspflichtig. Wallboxen sollten außerdem über eine Steuerung verfügen, welche ein sicheres Lastmanagement ermöglicht, Lade­zeiten und -zyklen programmierbar gestaltet, gegebenenfalls Ladestatistiken generiert und das Fahrzeug in ein haustechnisches Gesamtkonzept einbinden kann, etwa als zusätzlichen Speicher für eine PV-Anlage. Bei der Installation sind die einschlägigen Normen und Regelwerke zu beachten. Hierzu zählen unter anderen die »Verordnung über Allgemeine Bedingungen für den Netzanschluss und dessen Nutzung für die Elektrizitätsversorgung in Niederspannung« (Niederspannungsanschlussverordnung – NAV) in ihrer aktuellen Fassung vom 30.10.2020, die DIN 18015-1 Elektrische Anlagen in Wohngebäuden (Zuleitung für Ladeeinrichtungen ≥ 32 A), die VDE-AR-N 4100 sowie die TAB (Technischen Anschlussbedingungen) der Energieversorger. Für öffentlich zugängliche Ladepunkte sollte außerdem die »Verordnung über technische Mindestanforderungen an den sicheren und interoperablen Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten für Elektromobile« (Ladesäulenverordnung – LSV) Beachtung finden.

Kriterien für eine Wallbox

Der ADAC hat einige Kriterien und Anforderungen zusammengestellt, welche ­eine Wallbox nach den Erfahrungen des Automobilclubs erfüllen sollte:

  • Die Installation einer Wallbox ist zwingend die Aufgabe einer Elektrofachkraft.
  • Zu empfehlen ist eine 3-phasige 11-kW-Wallbox. Diese kann Elektro­autos 1-phasig, 2-phasig und 3-phasig »netzdienlich« laden, das heißt so, dass Überlastungen des Stromnetzes vermieden werden. Sie benötigt deshalb keine Genehmigung durch den Netzbetreiber.
  • Weniger ist mehr: Nicht benötigte Ausstattungen können die Bedienung erschweren.
  • Hilfreich ist ein fest an der Wallbox angebrachtes Ladekabel. Dies erhöht den Komfort und das serienmäßige Lade­kabel ist im Kofferraum immer dabei.
  • Im Falle einer Störung oder eines Defekts sollte ein kompetenter Kundendienst schnell verfügbar sein.
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge mit Bemessungsleistungen > 3,6 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden.
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge, deren Summen-Bemessungsleistung 12 kVA (11 kW) je Kundenanlage überschreitet, benötigen die vorherige Beurteilung und Zustimmung des Netzbetreibers.
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahr­zeuge mit einer Bemessungsleistung > 12 kVA (11 kW) müssen eine Möglichkeit zur Steuerung/Regelung (z. B. in 10-%-Schritten), eine intelligente zeitliche Steuerung oder Regeleinrichtungen zur Netzintegration über eine Unterbrechbarkeit durch den Netzbetreiber aufweisen.
  • Der Anschlussnehmer muss dem Netzbetreiber für jede anmeldepflichtige Ladeeinrichtung für Elektrofahrzeuge das ausgefüllte »Datenblatt für
  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge« zur Verfügung stellen.
  • Die Erfüllung der Anforderungen für Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge muss mittels Konformitätserklärung nachgewiesen werden.

Kay Rosansky, Fachjournalist, Verl

Ein Beitrag aus:

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